Image is not available
Image is not available
Image is not available
Image is not available
previous arrow
next arrow
Slider

Viel Engagement für den eigenen Integrationsweg

Mittwoch, 01 Juli 2020

Ein Bericht über Christina Ridinger, Teilnehmerin unserer Sprachkurse und des Projekts ‚JUGEND STÄRKEN im Quartier‘

Speyer: Christina Ridinger kommt im Mai 2018 zusammen mit ihrer Familie aus Moldawien nach Friedland. Bei der dortigen Außenstelle des Bundesverwaltungsamtes durchlaufen alle Spätaussiedler zunächst ein umfangreiches Aufnahmeverfahren, nach dessen Abschluss sie eine „Spätaussiedlerbescheinigung“ erhalten. Mit diesem Dokument erwerben sie automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft. Bei der anschließenden Verteilung auf die Bundesländer dürfen sie Wünsche äußern. Familie Ridinger entscheidet sich für Speyer als künftigen Wohnort, da sie aufgrund der Informationen im Internet ein positives Bild der Stadt gewonnen hat.

In Speyer angekommen geht Christina in die Schule – zunächst ganz ohne Deutschkenntnisse. Schnell findet sie rumänische Freundinnen, die ihr viele deutsche Begriffe erklären. Sie erkennt aber bald, dass sie in einem Deutschkurs besser aufgehoben wäre, damit sie sich ganz auf die Sprache konzentrieren kann. Schließlich bringt sie einen sehr guten Mittlere-Reife-Abschluss aus dem Heimatland mit, der in Deutschland anerkannt wird. Ihre ersten Deutschkenntnisse reichen nun aus, damit sie beim VFBB e. V. direkt den B1-Kurs besuchen kann.

Liest man Christinas Lebenslauf, fallen sofort ihre Sprachkenntnisse auf. Sie ist zweisprachig aufgewachsen, spricht fließend Russisch und Rumänisch, Englisch und Französisch hat sie in der Schule gelernt. Deutsch ist ihre fünfte Sprache. „Ich lerne gerne Sprachen, das macht mir Spaß und fällt mir leicht“, erklärt die junge Frau. Im Juni 2019 schließt sie den B1-Kurs sehr gut ab und meldet sich für den anschließenden B2-Kurs an, den sie noch bis Ende März 2020 besucht. Für die B2-Prüfung fühlt sie sich gut vorbereitet.

Beim VFBB e. V. werden generell alle Sprachkurs-Teilnehmende auf Projekte zur Berufsorientierung hingewiesen, damit sie möglichst früh und parallel an einer

beruflichen Perspektive arbeiten können. Da Christina Ridinger 18 Jahre alt ist und in Speyer wohnt, kann sie vom Projekt „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ profitieren. Dabei handelt es sich um ein Modellprogramm der Bundesregierung, das im Auftrag der Stadt Speyer durchgeführt und mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) umgesetzt wird. Es unterstützt junge Menschen dabei, sich in Schule, Ausbildung, Arbeit und Gesellschaft zu integrieren.

Aus diesem Grund kommt sie Anfang November 2019 ins Speyerer Job-lokal zu Katharina Bentz-Hellmann und arbeitet zusammen mit ihr an Bewerbungsunterlagen. „Frau Ridinger kam schon mit der konkreten Vorstellung, im Büro arbeiten zu wollen. Idealerweise als Büro- oder Immobilienkauffrau“, erklärt die VFBB-Betreuerin. „Sie hatte sich sehr gut über die Berufe informiert und brachte einen handschriftlichen Lebenslauf mit, sodass wir die Bewerbungsunterlagen direkt erstellen und an ausgewählte Betriebe senden konnten.“ Insgesamt werden 17 Bewerbungen versendet, auf die schon kurz danach mehrere Einladungen zum Vorstellungsgespräch folgen.

„In Moldawien habe ich ein Praktikum in einer Bibliothek gemacht und gemerkt, dass ich gerne mit Menschen zu tun habe, zum Beispiel in der Beratung.“ So begründet Christina ihre Berufswahl heute. Rückblickend erzählt sie, dass sich ihr Berufswunsch dann immer mehr zur Immobilienkauffrau hin entwickelt hat, denn hier wird sie auch beratend tätig sein. Einerseits habe die Branche Zukunft, andererseits finde sie diese Spezialisierung sehr gut – nicht zuletzt auch, um später für sich selbst eine schöne Wohnung zu finden. „Als gelernte Immobilienkauffrau kann ich später sicher auch als Bürokauffrau arbeiten, wenn ich das möchte. Umgekehrt geht das vielleicht nicht.“

Schon am 28. November 2019 hat die junge Frau einen Vorstellungstermin bei einem Mannheimer Immobilienbüro. Kurz vorher bereitet sie sich mit Hilfe von Katharina Bentz-Hellmann, Mitarbeiterin im Projekt ‚JUGEND STÄRKEN im QUARTIER‘, auf die wichtigsten Fragen vor und erhält Tipps, die sie direkt umsetzen kann.

Beim Bewerbungsgespräch werden ihr viele Fragen gestellt, auf die sie gut vorbereitet ist und durch ihre guten Deutschkenntnisse überzeugend antworten kann. Man verständigt sich auf einen ‚Schnuppertag‘. Inzwischen geht sie zu weiteren Vorstellungsgesprächen. Beim späteren Probearbeiten in der Mannheimer Immobilienverwaltung darf Christina Rechnungen schreiben und soll schließlich einen Brief tippen. Dass sie diesen Brief fehlerfrei schreibt, überzeugt den Chef. Er sagt ihr den Ausbildungsplatz sofort zu. „Ich wusste, dass ich das kann. Im Deutschkurs haben wir viel geübt, wie man Briefe schreibt“, erzählt Christina und lacht. Ihre Entscheidung steht fest: Sie wird ihre Ausbildung in Mannheim beginnen.

Die junge, aufgeschlossene Frau hat klare Vorstellungen und berichtet uns in gutem Deutsch darüber. Wenn man ihr zuhört, besteht kein Zweifel, dass sie ihre Ziele erreichen wird. Die Eltern sind sehr stolz, dass sie einen Ausbildungsvertrag in der Tasche hat, die 12-jährige Schwester möchte später alles genau so machen - Christina ist ihr großes Vorbild.

VFBB-Coaches wissen, dass der Weg vieler Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund länger dauert als Christinas, bis sie in einen Ausbildungsplatz münden. Nicht jeder kann die deutsche Sprache in dieser kurzen Zeit lernen, manche müssen den Kurs oder die Prüfung wiederholen. Doch wer den Anforderungen im Unternehmen und der Berufsschule gerecht werden will, muss nachweislich Deutsch auf B2-Niveau sprechen, schreiben und lesen können. Um diese Menschen ideal zu unterstützen, generiert das VFBB-Team frühstmöglich ‚Integrationsketten‘und zeigt Perspektiven auf, damit Migranten und Flüchtlinge möglichst lückenlos in eine Ausbildung in Deutschland münden können. Teilnehmende, die die Angebote für sich nutzen, profitieren davon. „Frau Ridinger hat zielführend mitgearbeitet und somit eine schnelle Entwicklung genommen. Nach vier Terminen war die gesamte Bewerbungsbetreuung abgeschlossen, das ist selten“, bestätigt JUSTIQ-Mitarbeiterin Bentz-Hellmann.

Nach der B2-Prüfung möchte Christina die Zeit bis zum Ausbildungsstart nutzen: arbeiten gehen, etwas Geld verdienen, sparen für den Führerschein. Den Vorschlag ihres künftigen Ausbildungsbetriebs, vor August noch ein vierwöchiges Praktikum zu machen, nimmt sie gerne an. „Ich werde mit dem Zug nach Mannheim fahren, bis ich den Führerschein machen kann und vielleicht ein Auto habe. Im Immobilienbüro haben sie mir gesagt, dass ich eventuell über sie eine kleine Wohnung in Mannheim finden kann“, berichtet sie. Mit dieser Perspektive ist sie sehr zufrieden. Über ihre weitere Zukunft, nach der Ausbildung, hat sie sich auch schon Gedanken gemacht: In Mannheim kann man Immobilienmanagement studieren – das ist Christinas großes Ziel. Wenn sie über ihren Werdegang erzählt, klingt alles sehr einfach. Doch eine hohe Lernbereitschaft und Zielstrebigkeit ist wichtig, wie sie uns bestätigt: „Es ist nicht leicht. Im Deutschkurs muss man sehr, sehr viel lernen. Aber ich lerne gerne.“

Dass mehrsprachige Bewerber am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt gerne gesehen werden, ist bekannt. Denn in einer multikulturellen Gesellschaft ist es besonders für Arbeitgeber im Dienstleistungsbereich ein Gewinn, wenn Beschäftigte ein Verkaufsgespräch auch mal in der Muttersprache des Kunden führen oder Auftraggeber mit einem sprachlichen Gruß aus der Heimat willkommen heißen können.

Christina Ridinger hat sich die Basis für einen erfolgreichen Integrationsweg in Deutschland engagiert erarbeitet. Wir wünschen ihr alles Gute für die Zukunft.

Dieser Bericht entstand im März 2020, wurde aber aufgrund der Coronakrise nicht veröffentlicht. Anfang Juni haben wir uns telefonisch bei Christina Ridinger erkundigt, wie es ihr seitdem ergangen ist. Am 15. Juni hat sie ihre B2-Prüfung abgelegt, da diese im März aufgrund des Lockdowns auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste. Wir freuen uns sehr, dass die Coronakrise weder für Frau Ridinger noch für ihren Ausbildungsbetrieb negative Auswirkungen hatte und dem Ausbildungsstart im August nichts im Wege steht.

200px Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Logo.svg Der VFBB e. V. ist vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für die Durchführung von Integrationskursen und Berufssprachkursen zugelassen.
 
 Jugend Staerken im Quartier Logo RGB

Das Programm "JUGEND STÄRKEN im Quartier" wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

BMFSF Web de

 

Bundesministerium des Innern Bau Heimat

 

ESF logo EU Sozialfonds rechts Zusammen Zukunft Gestalten Woerter nebeneinander web
Stadt Speyer Die Stadt Speyer ist Antragstellerin und Projektträgerin.

 

 

 

Engagierte Teilnehmerin Christina Ridinger
Engagierte Teilnehmerin Christina Ridinger
Bildrechte
© VFBB e. V.

logo bundesagentur fuer arbeitlogo jobcenterlogo bundesministerium fuer arbeit und sozialeslogo ministerium fuer soziales arbeit gesundheit und demokratielogo europaeischer sozialfond fuer deutschlandlogo europaeische unionlogo stadt speyer