Image is not available
Image is not available
Image is not available
Image is not available
previous arrow
next arrow
Slider

Jubiläum: Doris Eberle ist 15 Jahre VFBB-Geschäftsführerin

Freitag, 24 Januar 2020

Gleich mehrere Jubiläen trafen zum Jahresübergang 2019/20 beim VFBB e. V. zusammen:

2019 war der Verein 35 Jahre und die Tochtergesellschaft DIAG gGmbH 15 Jahre alt, das renommierte Jungendförderprojekt „Rückenwind“ wurde im zehnten Jahr durchgeführt. Und zum Jahresbeginn 2020 hatte Doris Eberle ihr 15-jähriges Jubiläum als VFBB- und DIAG-Geschäftsführerin, was intern am 23. Januar 2020 bei einem kleinen Umtrunk gefeiert wurde.

Im Vorfeld berichtete Doris Eberle in einem Interview über die letzten 15 Jahre:

:: Frau Eberle: Wie sind Sie zum VFBB e. V. gekommen? Was waren Ihre Beweggründe?
Doris Eberle: Ich war bis Ende 2004 bei der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Zweibrücken beschäftigt. In diesem Zusammenhang gab es Berührungspunkte mit dem VFBB e. V. und dem damaligen Vorstand Kurt Waas. Im Sommer 2004 war ich beim 20-jährigen Vereinsjubiläum, das mit einem Sommerfest gefeiert wurde, in Speyer - eigentlich nur stellvertretend für meinen damaligen Chef, der verhindert war. Danach habe ich die Information erhalten, dass der damalige VFBB-Geschäftsführer ausgeschieden ist und der Verein nun jemanden für die Nachfolge sucht. Nun, mit Beschäftigung und Qualifizierung kannte ich mich aus und ich hatte nur Gutes über den Speyerer Verein gehört. Dazu kam, dass mein Zweibrücker Projekt zum Jahresende 2004 auslief und ich für eine Anschlussperspektive mit entsprechendem Verantwortungsbereich offen war. So trafen unsere Interessen aufeinander und ich kam am 2. Januar 2005 nach Speyer.

:: Wieviel Mitarbeiter hatte der Verein damals?
Doris Eberle: Der Verein hatte acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

:: Mit welchen Zielen sind Sie zum VFBB gekommen?
Doris Eberle: Zunächst habe ich mir die Situation angeschaut. Beim VFBB e. V. gab es ein ‚Malerprojekt‘, das bis 31. Juni 2005 lief, und ein Jugendprojekt bis 31. August. Die Hartz-IV-Reform war gerade in Kraft getreten und das Hauptziel war, diese umzusetzen. Alles war neu, es gab keine Erfahrungswerte mit der Organisation der geplanten 1-Euro-Jobs. Als erstes druckte ich mir das Vereinsregister aus und fuhr in Speyer und Umgebung alle Vereine und Institutionen ab, um für die Arbeitsgelegenheiten zu werben. So konnte ich im ersten Jahr etwa einhundert Langzeitarbeitslose in 1-Euro-Jobs bringen. Das war viel Arbeit, aber der Einsatz hat sich gelohnt. Dabei war mir vor allem die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Speyer wichtig. Im gleichen Jahr startete der „Jobfux“ in der Siedlungsschule als ESF-Projekt mit Landesförderung – ein zweites finanzielles Standbein für den Verein.

:: Was waren Ihre größten Herausforderungen?
Doris Eberle: Die größte Herausforderung war, dass keine langfristige Planung möglich war. Ich musste ja auf Ausschreibungen der Arbeitsagentur oder des Jobcenters reagieren und dann auf den Zuschlag hoffen. Aus heutiger Sicht war manches mutig und abenteuerlich, ein ständiges Bemühen um Aufträge. Aber wenn wir einen Zuschlag hatten, haben wir alles dran gesetzt, Qualität zu beweisen. Und so konnte sich der Verein Schritt für Schritt weiterentwickeln.

:: Was war aus Ihrer Sicht das bedeutendste Projekt in den vergangenen 15 Jahren oder das wichtigste Ereignis und warum?
Doris Eberle: In 15 Jahren gab es natürlich viele wichtige Projekte aber am Anfang waren die Arbeitsgelegenheiten und der „Speyerer Cityservice“ sehr wichtig für uns. Mit dem Erfolg dieses Projekts konnten wir gegenüber der Stadt Speyer Qualität zeigen und das Ansehen des Vereins steigern. In Schwetzingen und Weinheim gab es die Einstiegsprojekte „Arbeitsgelegenheiten“ und „Netto“ für Langzeitarbeitslose, für die viel Aufbauarbeit nötig war.
Später folgten viele – aus heutiger Sicht renommierte – Projekte, die erwähnenswert sind. Darunter Landes-, Bundes- und ESF-Projekte sowie eigene Maßnahmen des Unternehmensverbundes.

:: Gab es auch Krisen?
Doris Eberle: Ja, die gab es auch. Zum Beispiel in Schwetzingen und Weinheim, wo wir 2008 aus dem Stand neue Räume angemietet und ein Bewerbercenter aufgebaut haben, als wir eine Ausschreibung gewonnen hatten. Innerhalb einer Woche musste alles realisiert und Personal eingestellt werden. Unser damailger IT-ler hat sonntagnachts den EDV-Raum eingerichtet und montags begann die Maßnahme. Wenn nicht genug Personal verfügbar war, musste ich selbst ran.

Die Krise kam dann 2010, als das Projekt auslief und wir kein Anschlussprojekt hatten, um die sechs Mitarbeiter – davon drei in Schwetzingen und drei in Weinheim - weiter zu beschäftigten. Das war damals ein Drittel der Belegschaft, also habe ich kurzerhand „Sprungbrett“ konzipiert, das wir mit Unterstützung der GABIS GmbH durchgeführt haben. Nur so konnte ich die sechs Mitarbeiter weiter beschäftigen.

:: 2005 haben Sie auch die Geschäftsführung der DIAG gGmbH übernommen. Wie kam es dazu und was sind die Vor- und Nachteile dieser Doppelfunktion?
Doris Eberle: 2005 suchte der Vorstand einen Nachfolger für den damaligen DIAG-Geschäftsführer, der in Rente ging. Es galt, Kräfte zu bündeln und Synergieeffekte zu nutzen. Projekte können besser vernetzt werden, wenn sie von einem Schreibtisch aus gesteuert werden. Die Vorteile lagen klar auf der Hand: Beispielsweise konnte ich entscheiden, welches die optimale juristische Person für die Durchführung eines Projekts war – der VFBB mit seiner Vereinsstruktur oder die DIAG als gemeinnützige GmbH.

:: Ein Tochterunternehmen wie die GABIS GmbH haben andere Bildungsträger nicht. Die Zusammenarbeit im Unternehmensverbund ist in den letzten Jahren immer intensiver geworden. Was bedeutet dies für die VFBB-Geschäfte?
Doris Eberle: Ja, eine GABIS haben andere Bildungsträger nicht – das macht uns einzigartig. Es ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Der VFBB ist beispielsweise stabiler in der Personalplanung. Wenn ein öffentlich gefördertes Projekt ausläuft können wir Mitarbeiter flexibel weiter beschäftigen. Umgekehrt setzt die GABIS GmbH mit uns ihre gemeinnützigen Ziele um, die im Gesellschaftervertrag verankert sind. Sie kann ihren Beschäftigten im Entleih gezielte Qualifizierungsangebote machen, die der VFBB auf kurzem Weg umsetzt.
Unser gemeinnütziger Ansatz im Verbund wirkt sich nicht nur positiv auf den regionalen Arbeitsmarkt aus, er hat auch Strahlkraft für die Stadt Speyer, die Bewohner und deren Lebensqualität – vor allem in Speyer-West.

:: Der Verein ist stark gewachsen. Was sind die wichtigsten Veränderungen Ihrer Arbeit in den  letzten 15 Jahren?
Doris Eberle: Das ist ganz klar die dichte Vernetzung mit der GABIS GmbH und der DIAG gGmbH. Der Unternehmensverbund ist dichter verzahnt, stark gewachsen und strahlt in die Region.

:: Welches waren die wichtigsten Personen, Partner, Wegbegleiter für Sie? Wer hat Sie am meisten unterstützt?
Doris Eberle: Auf die Initiaitve von Kurt Waas bin ich zum VFBB gekommen, der heutige Ehrenvorsitzende ist ein Unterstützer ab der ersten Stunde. Vor allem Herr Rheude hat als langjähriger Vorsitzender zusammen mit dem Vorstand alle Prozesse durch Beschlüsse auf den Weg gebracht und mit getragen. Gerade auch die enge Verzahnung der drei Einzelunternehmen war ihm ein konkretes Anliegen. Man kann sagen, der Vorstand ist langjähriger Förderer der positiven Entwicklung des gesamten Unternehmensverbundes. Ohne ihn wäre vieles nicht möglich gewesen. Der heutige Vorstandsvorsitzende, Herr Reibsch, arbeitet aktiv an dieser Entwicklung weiter. Ebenso habe ich von den jeweiligen Sozialdezernenten der Stadt Speyer immer viel Unterstützung erfahren - Frau Kabs und Herrn Brohm.
Intern entlastet mich vor allem Frau Ruge, die alle Projekte koordiniert aber auch Ausschreibungen, Abrechnungen, Personaleinsatz und vieles mehr im Blick hält. Sie ist seit mehr als 10 Jahren im Unternehmen, mit ihr habe ich eine überaus kompetente Mitstreiterin an der Seite. Und ganz besonders funktioniert die Zusammenarbeit mit meinem Geschäftsführer-Kollegen Herrn Cantzler sehr gut. Seit 2013 stimmen wir uns regelmäßig ab. Wir führen viele eigene Projekte beständig und erfolgreich durch. Beide Seiten profitieren davon. Es ist ein Geben und Nehmen, das ich sehr schätze.

:: Alles Wissen ist mittlerweile digital und online verfügbar, die Zahl der Arbeitslosen hat einen Tiefstand erreicht  – haben Bildungsträger überhaupt noch Zukunft?
Doris Eberle: Bildungsträger sind der „Reparaturbetrieb unserer Gesellschaft“. Solange Menschen durch die Maschen unseres Bildungssystems fallen, werden wir gebraucht, um sie auf ihrem Weg ins Arbeitsleben zu unterstützen.
Natürlich sind wir heute stark vernetzt, viel Wissen ist digital verfügbar – das verändert unsere Gesellschaft. Angebote gibt es genug, doch nicht jeder Mensch ist selbst in der Lage, sich den Zugang zu Bildung zu verschaffen. Bildungsträger arbeiten für und mit Menschen. Zum Beispiel unser  Einzelcoaching ist nur im vertrauensvollen Umgang unter vier Augen möglich – dabei ist der erfahrene Coach unersetzlich.

:: Ist die Vereinsstruktur aus Ihrer Sicht noch zeitgemäß? Haben Geschäftsführer im Verein genügend Entscheidungsfreiheit?
Doris Eberle: Ich bewege mich seit 15 Jahren mit allen Entscheidungen in dieser Vereinsstruktur. Natürlich gestalten sich dadurch manche Prozesse träge, weil viele Entscheidungen zunächst einen Vorstandsbeschluss oder die Zustimmung der Mitgliederversammlung voraussetzen. In einer GmbH sind Entscheidungen schneller und direkter möglich. Andererseits trägt der Vorstand auch alles mit –Verantwortung und Haftung.

:: War die Geschäftsführung 2005 einfacher als heute?
Doris Eberle: Mit acht Mitarbeitern war die Arbeitsatmosphäre 2005 überschaubar und familiär. Damals hieß es: Ärmel hochkrempeln und einfach machen. Heute ist der Verein sehr viel größer. Wenn 61 Mitarbeiter an fünf Standorten arbeiten, werden die Strukturen komplexer, die Kommunikation wird schwieriger. Hinzu kommt, dass die Vereinsstruktur für die Belegschaft an  Bedeutung verloren hat. Heute stemmt der VFBB ein vielfaches an Projekten und unterliegt ständiger Veränderung. Was damals von Schreibtisch zu Schreibtisch geregelt wurde, erfordert heute ein umfangreiches Qualitätsmanagementsystem, das wir kontinuierlich aufbauen mussten.

:: Wie stellen Sie sich die Entwicklung des Vereins in den nächsten Jahren vor? Was ist Ihnen für die geschäftliche Zukunft am Wichtigsten?
Doris Eberle: Dass sich alles bisher Erarbeitete verfestigt, die Prozesse noch besser strukturiert werden, der gesamte Unternehmensverbund weiterhin so stabil arbeitet.

(Das Interview wurde am 27.12.2019 geführt von Beate Sitzenstuhl)

Doris Eberle feiert 15-jähriges Jubiläum als VFBB-Geschäftsführerin
Doris Eberle feiert 15-jähriges Jubiläum als VFBB-Geschäftsführerin
Bildrechte
© VFBB e. V.

logo bundesagentur fuer arbeitlogo jobcenterlogo bundesministerium fuer arbeit und sozialeslogo ministerium fuer soziales arbeit gesundheit und demokratielogo europaeischer sozialfond fuer deutschlandlogo europaeische unionlogo stadt speyer