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BG-Coaching in Germersheim

Mittwoch, 11 Dezember 2019

Chancengleichheit fördern, Bildung und Teilhabe ermöglichen, aktivieren, stabilisieren, integrieren und beschäftigen

Wenn langzeitarbeitslose Menschen sowie Flüchtlinge und Migranten, die Arbeitslosengeld II (SGB II) beziehen, mit anderen zusammen leben und alle eine wechselseitige Verantwortung füreinander übernehmen, bilden sie eine „Bedarfsgemeinschaft“. Am Germersheimer VFBB-Standort werden solche Bedarfsgemeinschaften mit besonderem Unterstützungsbedarf im Auftrag des Jobcenters Landkreis Germersheim seit Anfang 2018 ganzheitlich betreut. Der Fokus liegt dabei auf der nachhaltigen Verbesserung der persönlichen und beruflichen Situation des Einzelnen, wobei das gesamte Familiensystem berücksichtigt und die Kinder - besonders im unterhaltsberechtigten Alter -  mit einbezogen werden. Dieses Projekt trägt dazu bei, die Arbeitsmarktpolitik des Landes Rheinland-Pfalz umzusetzen und wird durch Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds kofinanziert.

Die Coaches schauen zunächst auf den momentanen Zustand. In umfangreichen Gesprächen stellen sie die Ist-Situation fest und ermitteln den Unterstützungsbedarf. Aber bevor die Beteiligten an Lösungen denken können,

bearbeiten sie in Einzel- und Gruppencoachings persönliche Hemmnisse, die einer positiven Entwicklung im Wege stehen. Oft fehlt es Teilnehmenden an der Fähigkeit, den Tag sinnvoll strukturieren oder Termine pünktlich wahrnehmen zu können. Aufgrund problematischer Familien- oder Wohnungssituationen, mangelnder Erziehungskompetenz oder fehlender Lösungsorientierung fühlen sich die meisten in ihrer Lebenssituation überfordert, teils handlungsunfähig. Manchmal ist eine Therapie längst überfällig oder der finanzielle Überblick fehlt, weil monatelang keine Post geöffnet wurde. Bei Personen mit Fluchthintergrund kommen oft Sprachbarrieren, mangelnde berufliche Anerkennung sowie traumatische Erfahrungen hinzu.

„Komplexe Probleme häufen sich oft über Jahre an, deshalb können sie nicht schnell aus dem Weg geräumt werden. Das ist ein langer Weg, der viel Geduld und Ausdauer erfordert“, erklärt Angelika Keßler. Die VFBB-Betreuerin weiß, dass es wichtig ist, zunächst die dringlichsten Anliegen herauszuarbeiten und dort anzusetzen. Dann können kleine Ziele definiert werden, um die Lebensumstände Schritt für Schritt zu verbessern. Zunächst gilt es, auf die persönlichen Ressourcen und die des sozialen Netzwerks zu schauen und nutzen zu lernen.

„Wir stehen in direktem Kontakt mit den Fallmanagern und Arbeitsvermittlern des Jobcenters und stimmen alle Schritte mit ihnen ab“, berichtet Anna Schreiner-Wambolt, langjährige VFBB-Mitarbeiterin. „Gemeinsam mit den Teilnehmenden entwickeln wir einen Förderplan, besprechen ihn quartalsweise, überprüfen die Fortschritte schreiben ihn kontinuierlich weiter. Dabei steht die Aktivierung, die Stabilisierung der Familiensituation und Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit im Vordergrund.“

Doch was heute besprochen wird, kann bis zum nächsten Termin durch akute Themen überlagert werden. Etwa, weil sich der Gesundheitszustand einer Person verschlechtert hat oder die Begleitung eines Behördengangs dringend notwendig ist.

„Wir schauen immer, wo Unterstützung gerade am wichtigsten ist. Aber ohne die anderen Themen aus den Augen zu verlieren“, erklärt die VFBB-Betreuerin. Viele Teilnehmende zeigen sich im Coachingverlauf motiviert, etwas an ihrer Situation verändern zu wollen. Doch oft können sie ihre Lebensumstände nicht richtig einschätzen, reflektieren oder entsprechende Änderungsimpulse nicht annehmen.

Katrin Muth, VFBB-Betreuerin, bringt ebenso langjährige Erfahrung aus der Coachingarbeit mit ein. Das Germersheimer Coachingteam hat im Jahr 2018 zunächst 40 Bedarfsgemeinschaften betreut. Im Jahr 2019 wurde die Teilnehmerzahl auf 30 Bedarfsgemeinschaften reduziert, was sich nach Meinung der Coaches positiv auf die Betreuungsintensität ausgewirkt hat. Über 12 Monate sieht das Konzept wöchentlich mindestens zwei einstündige Kontakte vor. Dies kann ein Einzelcoaching, ein Workshop, ein Hausbesuch oder eine telefonische Betreuung sein. „Wenn wir weniger Gemeinschaften betreuen, können wir die Kontakte wesentlich intensiver gestalten. Die aufsuchende Arbeit im familiären Umfeld erfordert viel Zeit, aber gerade der ein oder andere zusätzliche Hausbesuch bringt uns oft weiter“, so Katrin Muth.

Im Vorjahr konnten elf von 40 Teilnehmenden in Arbeit vermittelt werden – also etwa ein Viertel. Im Jahr 2019 sind es elf von 30 Personen und damit mehr als ein Drittel. „Wenn sich nach monatelanger Kleinarbeit ein Erfolg einstellt, hat sich der Einsatz gelohnt“, so Angelika Keßler.

Aber auch der Umgang mit Niederlagen, Absagen oder Misserfolgen ist ein wichtiger Aspekt im Coaching. „Rückschläge gibt es immer wieder. Manchmal muss die Betreuung unterbrochen werden, weil zunächst eine Therapie erforderlich ist. Dann hat die Begleitung der Therapie oberste Priorität“, so Katrin Muth. „Wichtig ist, dass wir unseren Teilnehmenden realistische Lösungsansätze aufzeigen -  und zwar in machbaren Schritten. Dafür sind engmaschige Kontakte notwendig.“

Die Betreuung im Projekt erfordert seitens der Coaches viel Wissen und Lösungskompetenz im Umgang mit komplexen Problemlagen. Deshalb pflegen sie dauerhaft Kontakte zu einem dichten Beratungsnetzwerk im Landkreis Germersheim. Darunter Ämter, Ausländerbehörde, Schulsozialarbeiter, Betreuungsangebote, Jugendamt, Familien- oder Suchthilfe, Schuldnerberatung, weiterhin Ärzte, Krankenkassen und therapeutische Einrichtungen. Als „Lotse“ vermitteln sie Teilnehmende weiter zu anderen Unterstützungsangeboten.

Ein eigens entwickeltes Workshop-Angebot wird von Teilnehmenden gut angenommen und hat sich deshalb zur Auseinandersetzung mit folgenden Themen bewährt: Grundlagen finanzieller Lebensführung und Schuldenvermeidung, politische Bildung anhand des Tagesgeschehens (z.B. Klimaschutz), Auswirkung von Sport auf die physische und psychische Gesundheit (mit praktischen Übungen im Freien), Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Erziehung, Umgang mit Absagen, Auf- und Ausbau sozialer Netzwerke, gewaltfreie Kommunikation, Bewerbertraining, interkulturelles Miteinander, etc. In Zusammenarbeit mit den Beteiligten werden Themen bedarfsorientiert ergänzt. Aber auch Ausflüge mit Kindern, gemeinsame Unternehmungen wie der Besuch der Germersheimer Festungsanlage, eine Waldwanderung oder die gemeinsame Weihnachtsfeier treffen auf gute Resonanz und fördern die Gemeinschaft.

Am 20. November 2019 wurde im Rahmen des Workshops „Europa und ich“ Wissen über Geschichte, Werte, Struktur, Ziele und Organe Europas vermittelt und noch einmal auf die Projektförderung des Europäischen Sozialfonds hingewiesen. In diesem Zusammenhang wurden Teilnehmende zum Projekt befragt. Hier eine Auswahl der Antworten:

„Ich habe gelernt, mehr mit den Leuten zu reden und habe mehr Erfahrungen gesammelt.“

„Es ging mir am Anfang sehr schlecht, seit ich hier im BG-Coaching bin geht es mir besser, da mir mit vielen Dingen geholfen wird.“

„Ich habe in fast allen Bereichen einen Fortschritt gemacht.“

„Ich kann jetzt meinen Alltag besser regeln und organisieren.“

„Im Gesundheitsbereich geht es mir etwas besser, und im Arbeitsbereich läuft es bald besser.“

 

Das Projekt wird durch das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz  aus arbeitsmarktpolitischen Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds  sowie aus Mitteln des Jobcenters Landkreis Germersheim  gefördert.

  

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