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„Heute weiß ich: Ich will, ich kann und ich mache!“

Montag, 04 November 2019

Berufliche Zukunft in der Altenpflege dank gezielter Unterstützung

Mannheim, 16. Oktober 2019: Wir treffen eine junge, lebensfrohe Frau, die gerade aus der Mannheimer Akademie für soziale Berufe kommt. Im Rahmen ihrer Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin besucht sie dort den Theorieunterricht. Sie kommt freundlich auf uns zu und begrüßt Annett Fiedler, ihre ehemalige Betreuerin beim VFBB e. V., mit einer herzlichen Umarmung. Man ahnt sofort, dass die beiden viel zusammen gemeistert haben.

Fatimas Weg in Deutschland
Als Fatima 2014 als 23-jährige mit ihrem Ehemann nach Deutschland kam, hatte sie viele Hoffnungen. Neben den Muttersprachen Arabisch und Berbisch spricht sie auch französisch und englisch. Nach einem guten Abitur und begonnenem Jura-Studium in Marokko wollte sie hier zunächst Deutsch lernen, dann ihre Ausbildung fortsetzen und sich beruflich weiter entwickeln. Doch es kam anders: Ihr Ehemann erwartete, dass sie ganztags arbeiten geht, womit er ihre Teilnahme an einem Deutschkurs verhinderte. Sie besaß kein eigenes Konto, einen Aufenthaltstitel hatte sie nur aufgrund ihres Partners, der schon länger als Marokkaner in Deutschland lebte. Erst ab Ende 2015 besuchte sie Integrations- und Sprachkurse, die sie mit B2-Zertifikat abschloss.

Über drei Jahre hinweg hatte Fatima ihre Oma im Heimatland gepflegt, wo es üblich ist, dass ältere Menschen in der Familie leben. Als ihr eine Freundin vorschlägt, sich aufgrund dieser Erfahrungen beruflich in Richtung Altenpflege zu orientieren, erfährt sie zum ersten Mal, dass es in Deutschland Altenpflegeheime und einen entsprechenden Ausbildungsberuf gibt. „Das ist eine gute Idee“, sagt sie sofort.

Sie folgt der Empfehlung der Freundin, am Projekt ‚Einstieg in die Pflege‘ teilzunehmen. Im Februar 2018 führt sie ein Erstgespräch beim VFBB e. V. in Ludwigshafen. Projektleiterin Annett Fiedler erstellt mit der Teilnehmerin Bewerbungsunterlagen, nimmt Kontakt zu Pflegeheimen auf und nach einer kurzen Hospitation in einem Pflegeheim der Stadt Ludwigshafen bekommt sie im Mai die Zusage für ein einjähriges Pflegepraktikum. Doch kurz vor der Vertragsunterzeichnung kommt es zu einem Eklat in ihrem privaten Umfeld, der ihr einen herben Rückschlag versetzt. Noch bevor sie ihr Praktikum antreten kann, trennt sie sich von ihrem Ehemann und kommt vorübergehend in einem Frauenhaus unter, sodass Fatima plötzlich nicht mehr erreichbar ist. Ihre Freundin ist die einzige Schnittstelle zur VFBB-Betreuerin, deren Erfahrung und Handlungskompetenz nun erneut gefragt ist. Viele Probleme müssen in kurzer Zeit gelöst werden.

Sozialversicherungspflichtiger Arbeitsvertrag wichtig für Aufenthaltserlaubnis und Wohnungssuche
Wer am Pflegeeinstiegsprojekt teilnimmt, erhält einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertrag von der GABIS GmbH, Unternehmenspartner des VFBB e. V., die das Arbeitsmarktprojekt finanziert. Allein dieser Vertrag und die Aussicht auf eine anschließende Ausbildung bewirken nun, dass Fatima nach ihrer Trennung einen eigenen Aufenthaltstitel bekommt und eine Wohnung mieten kann. „Ohne Frau Fiedler hätte ich es nicht geschafft“, sagt sie heute. „Sie hat mir so viel geholfen. Mit den Bewerbungsunter-lagen, beim Praktikum, der Kommunikation mit der Ausländerbehörde und meinem Praktikumsvertrag.“ Fatima ist sehr erleichtert, dass sie ihr Pflegepraktikum wie geplant im Mai 2018 beginnen kann.

Einstieg in der Altenpflege
Am Anfang ist alles neu und ungewohnt. „In den ersten Tagen habe ich viel geweint“, berichtet sie. „Viele alte Menschen sind einsam, sie sehen ihre Familie selten, manche haben Heimweh. Ich kannte das nicht. In Marokko werden Senioren von der Familie gepflegt.“ Doch bald findet sie sich zurecht und kann einen sehr guten Kontakt zu Kolleginnen, Vorgesetzten und Bewohnern aufbauen. Im Februar 2019 bekommt sie vom städtischen Pflegeheim ‚Haus Friesenheim‘ die Ausbildungszusage ab Mai. „Ich mache alles, egal was zu tun ist“, erzählt die Auszubildende. „Und ich mache es gerne.“ Wer in der Altenpflege arbeitet, muss körperlich und seelisch belastbar sein, das weiß sie. „Manchmal ist es schwer. Vor allem wenn ein Mensch stirbt“, sagt die empathische junge Frau. Aber scheinbar besitzt Fatima das „Pflege-Gen“, denn sie fühlt sich in diesem Beruf wohl und kann sich gut vorstellen, ihn bis zur Rente auszuüben. Hemmungen, Ekel oder Scham sind ihr fremd, auch Berührungsängste im Umgang mit Senioren hat sie nie. „Das ist für mich ganz normal, ich werde auch mal alt“, erklärt sie. „Wir sind doch alle Menschen“, Am wichtigsten seien den Bewohnern die Zuwendung und das Gespräch.

Vorgesetzte zufrieden mit den Leistungen
Im Pflegeheim ist man froh über die engagierte Auszubildende. „Im Praktikum merkt man schnell, ob jemand ins Team passt“, so Oliver Brinkmann, Pflegedienstleiter im ‚Haus Friesenheim‘. „Frau Amrey ist sehr gut bei uns angekommen, sie ist immer freundlich und aufgeschlossen und im Wohnbereich funktioniert die Mitarbeit wunderbar. Wir freuen uns, dass sie bei uns ist.“

Fazit
Fatima ist aus allen Hindernissen, die sie in Deutschland meistern musste, gestärkt hervorgegangen und konzentriert sich nun ganz auf ihr berufliches Weiterkommen. Auf ihrem Weg ist die heute 28-jährige Marokkanerin vielen Menschen begegnet, die sie ermutigt haben, durchzuhalten. Dafür ist sie sehr dankbar. Sie ist überzeugt: „Ich bin jetzt hier und mache meine Ausbildung fertig. Es wird immer besser. Und zu meiner Abschlussfeier lade ich Frau Fiedler ein, sie muss unbedingt kommen“, sagt sie.

Heimweh habe sie nicht und ins Heimatland zurückzugehen sei keine Option für sie, denn dort seien geschiedene Frauen gesellschaftlich nicht anerkannt. Gerade vor zwei Wochen habe sie die Familie in Marokko besucht, erzählt Fatima. „Meine Familie – besonders meine zwei Brüder – sind sehr stolz auf mich, dass ich das alles geschafft habe.“ Ihr Fazit heute: „Ich bin Frau Fiedler sehr dankbar. Sie hat mich stark gemacht und mir immer wieder Energie gegeben. Heute weiß ich: Ich will, ich kann und ich mache!“

Wir bedanken uns bei Fatima für das Gespräch und wünschen ihr einen guten weiteren Ausbildungsverlauf.

Auszubildende Fatima Amrey mit VFBB-Projektleiterin Annett Fiedler
Auszubildende Fatima Amrey mit VFBB-Projektleiterin Annett Fiedler
Bildrechte
© VFBB e. V.

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