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"Hier haben wir Freunde gefunden"

Donnerstag, 24 Oktober 2019

Eine Familie lernt beim VFBB e. V. Deutsch

Speyer, 11.10.2019: Familie Schmal ist zu Besuch in der Speyerer VFBB-Zentrale und wir freuen uns, dass sie unserer Einladung gefolgt sind. Der Anlass ist ein besonderer, denn wann kommt es schon einmal vor, dass gleich fünf Familienmitglieder beim VFBB e. V. Deutsch lernen.

2018 ist die neunköpfige Familie als Spätaussiedler aus der Ukraine nach Deutschland gekommen. Im April 2018 haben sich der Vater und fünf Kinder beim VFBB e. V. zum Integrationskurs angemeldet. “Am Anfang war es sehr schwer”, sagen die Geschwister heute. “Frau Flügel und Herr Voges haben uns sehr viel geholfen, uns viele Tipps gegeben und deutsche Spiele gezeigt.” Birgit Flügel und Georg Voges, beide Deutschlehrer beim VFBB e. V., haben die Geschwister 14 Monate lang unterrichtet und können dies bestätigen. “Der Unterricht im Jugendkurs hat einfach Spaß gemacht”, erzählt Birgit Flügel. “Alle haben fleißig gelernt.” Georg Voges ergänzt: “Wenn man euch heute reden hört, ist das ein riesiger  Unterschied zu damals.” Alle haben nahezu ohne Deutschkenntnisse mit A1 angefangen. “Als wir schon wussten, wir würden nach Deutschland gehen, haben wir ‘Deutsche Welle’ gehört, um erste Wörter zu lernen”, berichtet der Familienvater.

Als Familie ‘Smal’ kamen sie in Deutschland an, später haben sie ihren Familiennamen in ‘Schmal’ geändert und einige ihrer Vornamen der deutschen Schreibweise angepasst. Zunächst wohnten sie bei Verwandten, später konnten sie in Speyer eine größere Wohnung beziehen, die bis heute genug Platz für alle bietet. “Es ist immer viel los bei uns, oft sind noch Freunde der Kinder da und es ist immer laut”, sagt der Vater und lacht.

“Es gibt Landsleute, die schon viele Jahre in Deutschland leben und immer noch nicht gut deutsch sprechen. Sie sagen zu mir: Warum lernst du noch Deutsch? Warum gehst du nicht arbeiten? Aber für mich ist das sehr wichtig.” Die Maßstäbe, die sich Jakob Schmal selbst setzt, gibt der Familienvater auch an seine Kinder weiter. Alle möchten gut und richtig Deutsch lernen, vor allem die Grammatik muss man verstehen - und ohne Lehrer geht das nicht. Alle sind überzeugt davon, dass sie später im Beruf nur mit guten Deutschkenntnissen bestehen können.  

 

Der Vater hat seine B2-Prüfung bereits im Juli 2019 erfolgreich bestanden. Olga, Natalie, Eugen und Paul sind zwischen 19 und 25 Jahren alt. Da Integrationskurse für Jugendliche länger dauern als für Erwachsene, konnten die Geschwister erst im Juli 2019 mit dem B2-Kurs beginnen, den sie noch bis Ende Januar 2020 montags bis donnerstags besuchen. Alle lernen sie für die B2-Prüfung. Mittlerweile lesen die Geschwister auch Bücher. Eugen erzählt, dass ihm das Lesen sehr schwer fiel und er deshalb das Neue Testament las. “Das konnte ich gut verstehen, weil ich die Geschichten schon in meiner Sprache kannte.” Stephan, ein weiterer Bruder, war bis zur B1-Prüfung beim VFBB e. V. und arbeitet jetzt bereits. Eine kleine Schwester besucht die 9. Klasse und eine weitere Schwester lebt mit ihrer Familie wieder in der Ukraine.

Der Vater hat im Heimatland verschiedene Tätigkeiten ausgeübt: als KFZ-Mechaniker, im Energiewerk, als LKW-Fahrer und zuletzt in einer eigenen kleinen Gärtnerei. Um in Deutschland beruflich Fuß fassen zu können, plant er, eine Umschulung zu machen.

Die vier Geschwister möchten anschließend alle eine Ausbildung beginnen. Natalie am liebsten in einer Zahnarztpraxis, Paul und Eugen interessieren sich für Elektronik, Olga sieht sich in einem Büroberuf. Aber zunächst ist die B2-Prüfung für sie am wichtigsten. Beim Lernen spornen sie sich gegenseitig an, einer will besser sein als der andere. “Das ist unsere positive Motivation”, sagen sie und lachen. Sie lernen zuhause oft zusammen. “Am Anfang war es sehr schwer, richtig kompliziert”, berichten sie. Auf die Frage, was sie aus dem Jugendkurs mitnehmen, sagt Olga: “Hier haben wir unsere Freunde gefunden.”

Weitere Bekannte haben sie in der freien Evangeliumschristen-Gemeinde kennengelernt, die sie regelmäßig besuchen. Viele unserer Freunde haben zwar Eltern aus der Ukraine oder Russland, sind aber hier geboren und sprechen selbst nur Deutsch. Mit ihnen müssen wir Deutsch sprechen, das ist gut! Im Gemeindezentrum stehen mehrere Klaviere und ein Flügel für den Musikunterricht zur Verfügung. „Paul spielt immer auf dem Flügel“, erzählt sein jüngerer Bruder Eugen. Paul ist mit 25 Jahre der Älteste und hat eine Klavierlehrerausbildung. „Ich möchte ein Keyboard, damit ich ungestört mit Kopfhörern spielen und komponieren kann“, sagt er. Da er ein Jahr in Polen gearbeitet hat, spricht er außerdem fließend polnisch.

Olga ist ausgebildete Geigenlehrerin und übt gerade sehr viel für die Aufnahmeprüfung in ein Orchester. „Wenn niemand zuhause ist, kann ich ganz entspannt üben, weil ich niemanden störe. Aber wenn alle da sind, ist das schwer. Ich sage manchmal: Bitte eine halbe Stunde noch, ich muss einfach diese Püfung bestehen“, erzählt sie.

Die Geschwister sind zweisprachig aufgewachsen. Mit der Mutter sprechen sie Ukrainisch, mit dem Vater Russisch. „Viele denken, die zwei Sprachen sind gleich aber das stimmt nicht, sie sind nur ähnlich“, erklärt Jakob.

Bisher haben sie zwar zusammen Deutsch gelernt, aber untereinander nie Deutsch gesprochen. „Zuhause haben wir uns nicht getraut, wir wollten die Wörter nicht falsch sagen“, erzählt Olga. Vater Jakob Schmal berichtet: „Aber gestern habe ich mit meinen Kindern besprochen, dass wir zuhause jetzt nur noch Deutsch sprechen. Wir möchten meine Frau besser unterstützen, da sie ihren Deutschkurs aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste. Sie soll nicht wieder alles vergessen, sondern mit uns lernen."

VFBB-Coaches begleiten täglich Menschen bei der Berufsorientierung und im Bewerberverfahren bis zur Vermittlung in Ausbildung und Arbeit. Daher wissen sie: Zwei Muttersprachen und gute Deutschkenntnisse erhöhen die Chancen am deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, der immer mehr von kultureller und sprachlicher Vielfalt geprägt ist. Besonders in kommunikationsstarken Berufsfeldern, beispielsweise im Gesundheits- oder Dienstleistungsbereich, die von intensivem Kundenkontakt geprägt sind, wissen Arbeitgeber mehrsprachige Bewerber sehr zu schätzen.

Wir bedanken uns bei Familie Schmal, dass sie uns ihre Geschichte erzählt hat und freuen uns, dass wir Paul, Olga, Eugen und Natalie noch bis zur B2-Prüfung begleiten dürfen. Die VFBB-Lehrer sind davon überzeugt, dass alle vier ein gutes B2-Ergebnis erzielen können und wünschen schon jetzt viel Erfolg. Der ganzen Familie wünschen wir eine erfolgreiche berufliche Zukunft in Deutschland.

Natalie, Jakob, Olga, Paul und Eugen Schmal mit den Deutschlehrern Georg Voges (links) und Birgit Flügel (rechts)
Natalie, Jakob, Olga, Paul und Eugen Schmal mit den Deutschlehrern Georg Voges (links) und Birgit Flügel (rechts)
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