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Ausbildung in Deutschland Schritt für Schritt erarbeitet

Mittwoch, 04 September 2019

Intensive Förderung, Coaching, Spracherwerb und eigenes Engagement führen zum Erfolg

2. August 2019: Es ist ein Tag nach dem offiziellen Ausbildungsstart in Deutschland, in Edenkoben treffen wir Rowaida Akbari nach ihrem Feierabend. Die 22-Jährige kommt aus der Zahnarztpraxis Rau & Kollegen, wo sie gestern ihre Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) begonnen hat. Für die junge Frau aus Afghanistan war es ein „sanfter Ausbildungsstart“, besser gesagt ein nahtloser Übergang, da sie seit Anfang Juni 2019 dort schon über eine Einstiegsqualifizierung im Rahmen des VFBB-Projekts ‚Rückenwind für Migranten und Flüchtlinge‘ beschäftigt war. Das Projekt ebnet jungen Nicht-Muttersprachlern den Weg an den deutschen Ausbildungsmarkt. Finanziell gefördert wird es von der GABIS GmbH, der Arbeitsagentur Landau und dem Jobcenter Landkreis Germersheim.
Chef, Zahnärzte und Team hat Rowaida Akbari bereits vor acht Wochen kennengelernt, die Praxisräume sind ihr vertraut, in erste Abläufe wurde sie gut eingearbeitet, unter Anleitung darf sie ab und zu schon assistieren. Sie lernt täglich dazu. Die 22-Jährige wirkt freundlich aber zurückhaltend, in der Praxis 

 hinterlässt sie von Anfang an einen guten Eindruck. „In den ersten sechs Monaten in Deutschland konnte ich nichts tun“, erzählt sie. „Das war nicht gut.“ 2016 ist sie mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen und wollte hier zur Schule gehen wie ihre jüngeren Geschwister. Mit 18 Jahren war aber ihre Schulpflicht bereits erfüllt, deshalb musste sie zunächst auf einen Deutschkurs warten.

Der Integrationsweg beim VFBB e. V.:

August bis Oktober 2018: Coaching für Migranten und Flüchtlinge
Nach ihrem Deutschkurs kommt sie im August 2018 mit einem sehr guten A2-Sprachniveau zum VFBB e. V. ins ‚Coaching für Migranten und Flüchtlinge‘, das über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein der Agentur für Arbeit Landau finanziert wird.

Kompetenzerfassung, Berufswegeplanung und Bewerbungscoaching
„Schon als Kind hatte ich den Wunsch, später im medizinischen Bereich zu arbeiten“, erzählt sie. „Das wollte ich auch in Deutschland.“ Doch neun Jahre Schulbesuch im Heimatland reichen als Zugangsvoraussetzung für die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in Deutschland nicht aus. Im Rahmen der Berufswegeplanung erarbeitet VFBB-Betreuerin Kalliopi Mavritsakis mit ihr alternativ die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA), mit welcher sich Frau Akbari identifizieren kann - obwohl es ihr schwer fällt, von ihrem Berufswunsch Abstand zu nehmen. Durch unterstützende Recherche und Erstkontakt zu ausbildenden Zahnarztpraxen in der Region kann die VFBB-Vermittlerin zeitnah den Kontakt zu einer Zahnarztpraxis in der Nähe herstellen.

Ab Oktober 2018: Probepraktikum, Einstiegsqualifizierung, Sprachförderung
Kalliopi Mavritsakis stellt die Bewerberin in der Praxis vor, wo sie direkt ein Probepraktikum beginnen kann. Sie lernt die Arbeit dort kennen und geht nach kurzer Zeit in die Einstiegsqualifizierung als Ausbildungsvorbereitung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) über - mit einem Praktikumsvertrag bei der GABIS GmbH. Begleitend dazu lernt sie beim VFBB e. V. Deutsch. Diese Sprachförderung soll Teilnehmende mit Flucht- oder Migrationshintergrund zum B2-Sprachniveau führen, um den anschließenden Ausbildungsinhalten und dem Berufsschulunterricht folgen zu können.

Ende März 2019: Die Praxis teilt mit, dass sie Frau Akbari aus betriebsbedingten Gründen leider keine Ausbildung anbieten kann. Ein Rückschlag für sie, der im Coaching vertrauensvolles, schnelles Handeln erfordert, um ihr weiterhin die Chance auf eine Ausbildung im Jahr 2019 zu sichern. Erneute Recherche und Hilfe bei der Aktualisierung der Bewerbungsunterlagen führen direkt bei der ersten Praxis zum erfolgreichen Vorstellungsgespräch. Am 1. Juni erfolgt der Wechsel zum heutigen Arbeitgeber, der Zahnarztpraxis Rau & Kollegen in Edenkoben. Aus dieser schnellen Entwicklung kann Frau Akbari gestärkt und selbstsicher hervorgehen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln pendelt sie täglich vom Wohnort Gommersheim zum neuen Arbeitsplatz.

Gute Rückmeldungen von Vorgesetzten und Praxisteam
Obwohl sie anfangs noch schüchtern und zurückhaltend ist, zeigt sich Frau Akbari sehr interessiert. Bereits vier Wochen später - Anfang Juli - teilt die Edenkobener Praxis mit, dass sie toll mitarbeitet, sich anstrengt und ohne Aufforderung mithilft, wo sie kann.

Juli 2019: B2- Prüfung und Ausbildungszusage
Am 8. Juli legt sie die B2-Prüfung in Speyer ab. Zeitgleich sagt ihr Dr. Rau den Ausbildungsplatz zum 1. August zu. Zügig werden alle Formalitäten erledigt - beim VFBB e. V. ebenso wie in der Zahnarztpraxis. Frau Akbari kommt der amtsärztlichen Untersuchung nach, Arbeitskleidung wird von der Praxis gestellt, ein persönlicher Spint steht bereit, die Stechuhr wird eingerichtet. Am 1. August beginnt die Ausbildung. „In der Praxis lerne ich viel besser Deutsch. Hier muss ich viel sprechen, das ist gut“, berichtet die Auszubildende. „Aber wenn Leute ‚anderes deutsch‘ sprechen, verstehe ich gar nichts. In Geschäften oder so.“ Sie meint die Pfälzer mit ihrem Dialekt und lacht. „Ich bin froh, dass in der Praxis alle hochdeutsch sprechen – auch die Patienten.“

Vieles ist neu
In der Zahnarztpraxis begrüßt man es, dass sie kein Kopftuch trägt. Die Ausbildung stand für ihre Eltern im Vordergrund. „Deshalb hat mein Vater gesagt: Wenn du willst, kannst du das Kopftuch abziehen, es ist deine Entscheidung“, erzählt sie. „Dann habe ich mich so entschieden. Am Anfang war es ungewohnt aber jetzt ist es normal für mich.“ Bei Rau & Kollegen fühlt sie sich von ihren Vorgesetzten und dem gesamten Praxisteam freundlich aufgenommen und optimal unterstützt. Das motiviert sie, während der Ausbildung ihr Bestes zu geben.

Die nächsten Ziele
Im Moment erfordert die Ausbildung Frau Akbaris ganze Aufmerksamkeit. In Neustadt besucht sie den Berufsschulunterricht, sie möchte in drei Jahren einen guten Abschluss machen. Bald wird die Zahnarztpraxis innerhalb des Ortes umziehen, dann wird es mit Bahn und Bus schwieriger, vor allem nach Feierabend um 19 Uhr. Deshalb hat sie sich gerade für den Führerschein angemeldet.

Resumee
Was im Rückblick leicht klingt, war für Frau Akbari ein langer Weg kleiner Schritte – auch mit Zweifeln. Beim VFBB e. V. wurde sie nach dem Prinzip „Fördern und Fordern“ engmaschig betreut. Vieles, was im Coaching erarbeitet wurde, ist mittlerweile real geworden, weil sie einen starken Lernwillen mitbrachte und ihren Anteil dazu beitrug. Sie hat alle Unterstützungsangebote für ihr berufliches Weiterkommen genutzt.
VFBB-Betreuerin Kalliopi Mavritsakis sagt abschließend: „Frau Akbari hatte den starken Wunsch, Krankenpflegerin zu werden. Dass dies nicht möglich war, konnte sie nur schwer akzeptieren. Aber dann hat sie die Alternative sehr gut angenommen und fleißig gelernt. Von der Zahnarztpraxis kamen schon bald positive Rückmeldungen. Ihr Deutsch hat sich deutlich verbessert, ich denke, sie wird in der Berufsschule sicher zurechtkommen. Ihre Eltern sind sehr stolz auf sie.“

Das Edenkobener Team der Zahnarztpraxis Rau & Kollegen berichtet: „Für uns kam die Anfrage zu einem Praktikum von Frau Akbari sehr spontan. Bereits im ersten Gespräch war der Eindruck von Ihr sehr positiv, deshalb konnten wir uns spontan eine Zusammenarbeit mit Ihr gut vorstellen. Frau Akbari ist nun seit mehreren Wochen im Praxisalltag dabei und bereits jetzt eine zuverlässige und motivierte Mitarbeiterin. Ihre Deutschkenntnisse versucht sie stetig zu verbessern. Wir sind froh, Sie ab August als Auszubildende in unserem Team aufnehmen zu können.“

Wir bedanken uns bei Frau Akbari für das Gespräch und wünschen ihr alles Gute für ihre Ausbildung.

Über das Projekt „Rückenwind für Migranten und Flüchtlinge“ (Einstiegsqualifizierung mit 30 % Spracherwerb und 70% praktischem Einsatz im Betrieb)
Der VFBB  e. V. hat 2018 in Zusammenarbeit mit der GABIS GmbH, der Agentur für Arbeit Landau und dem Jobcenter Landkreis Germersheim das Konzept „Rückenwind“ neu geschnürt, um die Integrationschance am Ausbildungsmarkt für Migranten und Flüchtlinge zu erhöhen. Ein Coaching mit Kompetenzfeststellung und Berufsorientierung wurde vorgeschaltet. Begleitend zur Einstiegsqualifizierung nehmen Teilnehmende an einer intensiven Sprachförderung teil, damit sie den Inhalten des Berufsschulunterrichts in der anschließenden Ausbildung folgen können.

Der Ablauf:

  • Mit einem Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein der Arbeitsagentur oder des Jobcenters kommen Interessierte zum VFBB-Coaching mit Kompetenzfeststellung und Berufswegeplanung.
  • Es folgt die Feststellung des Sprachniveaus. Sofern sie über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen, können sie an der Einstiegsqualifizierung „Rückenwind für Migranten und Flüchtlinge“ teilnehmen, das mit finanzieller Förderung der Arbeitsagentur Landau, des Jobcenters Landkreis Germersheim und der GABIS GmbH durchgeführt wird.
  • Ein VFBB-Coach unterstützt im Bewerbungsverfahren, bei der Vorstellung und Vermittlung in einen Kooperationsbetrieb sowie bei allen Formalitäten.
  • Teilnehmende können die betriebliche Praxis erproben und erhalten beim VFBB e. V. begleitendes Sprachtraining bis B2-Niveau.
  • Im Jahr 2018/19 konnten elf junge Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund über dieses Projekt in eine Ausbildung vermittelt werden.
Integration durch Berufsausbildung
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