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Projekt „schwer-begabt“ besucht Sozialkaufhaus Ludwigshafen

Donnerstag, 12 Oktober 2017

Einkaufsmöglichkeit für kleines Geld bieten, Arbeitsplätze schaffen, Menschen am Arbeitsmarkt integrieren

Ludwigshafen, 21.9.2017: Er sieht sich selbst als leistungsfähigen und kreativen Mitarbeiter, der auf vielfältige berufliche Erfahrungen zurückblickt, spricht verschiedene Sprachen, hat jahrelang in Schweden gearbeitet. Als Schmerzpatient weiß Manfred Breidenbach aber auch, dass er sich zurückziehen muss und für mehrere Wochen ausfallen kann, wenn Schmerzattacken kommen. „Dafür haben die meisten Arbeitgeber wenig Verständnis“, berichtet der 49-Jährige über seine Erfahrungen. Seit Kurzem nimmt er am Projekt schwer-begabt teil. Auf unsere Frage, was ihm das Projekt bringe, berichtete er, durch die Coachings eine bessere Selbstreflektion zu erlangen. Denn die Sichtweisen Anderer stimmten oft  nicht mit den eigenen überein.

Breidenbach webEr lerne, sich in Vorstellungsgesprächen selbst besser zu präsentieren. „Wenn vom Coach beim Unternehmen schon Vorarbeit geleistet wurde, ist es eine ganz andere Gesprächsbasis“, erklärte Breidenbach. „Wenn mehr Arbeitgeber besser informiert wären, würden sie auch mehr Menschen mit Behinderung einstellen“, davon zeigte er sich überzeugt. Einen großen Vorteil sehe er deshalb auch in der Information und Akquise von Unternehmen, wie sie im Projekt geleistet werde.

Manfred Breidenbach war einer von 12 Teilnehmern des Inklusionsprojektes „schwer-begabt“, die am 21. September zusammen mit ihren Coaches das Sozialkaufhaus in Ludwigshafen besuchten. Begrüßt wurden sie dort von VFBB-Geschäftsführerin Doris Eberle, VFBB-Vorstandsmitglied Doris Barnett (MdB) und dem Geschäftsführer der FairTex GmbH, Sascha Thomas. Eine Gebärdensprachedolmetscherin sowie Vertreter der Arbeitsagenturen Landau und Ludwigshafen kamen vor Ort dazu. 

 „Wir hoffen, mit dem Projekt eine Veränderung in den Köpfen der Arbeitgeber zu erreichen“, plädierte Doris Eberle für die Einstellung Beschäftigter mit Behinderung, da diese meist eine sehr starke Bindung und Loyalität gegenüber ihrem Arbeitgeber zeigen. Mit speziell entwickelten Talentemappen werden die Stärken der Teilnehmer betont. Das bei vielen Arbeitgebern bestehende Vorurteil, Arbeitnehmer mit Behinderung seien häufiger krank als Kollegen ohne Behinderung, konnte sie mit Erfahrungen aus dem eigenen Unternehmen entkräften.

Sascha Thomas, Geschäftsführer der FairTex GmbH, die das Sozialkaufhaus betreibt, ist ein Arbeitgeber, den man nicht überzeugen musste. „Menschen spenden uns Kleidung, Möbel und Geschirr, das gut erhalten ist aber nicht mehr gebraucht wird. Wer sich nur wenig leisten kann, findet dann bei uns eine günstige Einkaufsmöglichkeit.“ So beschreibt er sein Konzept. Weiterhin biete er Arbeitssuchenden mit oder ohne Behinderung eine Beschäftigungsmöglichkeit. Mit „schwer-begabt“ kooperiert er seit April 2017, wo er am Standort Bad Dürkheim eine ehemalige Teilnehmerin als Mitarbeiterin einstellte. Am Ludwigshafener Standort beschäftigt er seit Kurzem einen weiteren Teilnehmer, der zunächst einen Arbeitsvertrag über den „Sozialen Entleih“ der GABIS GmbH (VFBB-Partner im Unternehmensverbund) erhielt. Neben dem umfangreichen Portfolio von Unterstützungs- und Förderleistungen der Arbeitsagentur und der Jobcenter sei der „Soziale Entleih“ laut Eberle ein weiteres, unbürokratisches Instrument zur Integration schwerbehinderter Menschen am ersten Arbeitsmarkt. Die GABIS GmbH biete diese Möglichkeit, damit sich Menschen zunächst für 3 oder auch 6 Monate im Unternehmen erproben können, ohne dass dem Arbeitgeber Kosten oder Verwaltungsaufwand entstehen. Ziel sei die Übernahme in ein nachhaltiges sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis im Unternehmen. „Auch wenn das Projekt schwer-begabt Ende März 2018 endet, geht der ‚Soziale Entleih‘ der GABIS GmbH weiter“, versicherte die VFBB-Geschäftsführerin. Mittlerweile konnten 82 Menschen mit Behinderung in Arbeit vermittelt werden, neun davon über den „Sozialen Entleih“.

„Nur 6% aller Menschen mit Behinderung werden schon mit dieser geboren. Alle anderen Behinderungen entstehen im Laufe des Lebens durch Krankheit oder Unfall“, erklärte Bundestagsabgeordnete Barnett. „Das heisst, es kann Jeden treffen. Der Staat muss sich für Menschen mit Behinderung engagieren, dann haben alle etwas davon.“ Da sie im VFBB-Vorstand tätig ist, kennt und befürwortet sie das Projekt „schwer-begabt“ von Anfang an. Ihr besonderes Interesse gilt der Nachhaltigkeit von Förderprojekten. „Wenn ein Projekt gut war, sollte es zur Einrichtung werden“, betonte sie abschließend.

Besonders erfreulich war der Besuch für zwei der anwesenden Projektteilnehmer. Sie nutzten die Gelegenheit, um direkt bei Geschäftsführer Thomas nach einer Praktikumsmöglichkeit im Sozialkaufhaus Ludwigshafen anzufragen. Beide möchten damit weitere Erfahrungen im Verkauf sammeln, um anschließend eine Beschäftigung im Einzelhandel zu finden. Sascha Thomas freute sich über das Interesse und sagte beide Praktikumsplätze sofort zu.

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